Helft den Opfern des Faschismus!

Veröffentlicht am 18.03.2025 in Allgemein

1933 war ein Schicksalsjahr der deutschen Geschichte. Die Nationalsozialisten übernahmen die Macht in Deutschland und errichteten ein Schreckensregime, das erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besiegt werden konnte.

Bereits in den ersten Tagen nach der Machtübernahme versuchten viele Gegner der Nazis aus Deutschland zu fliehen. Eines der Hauptzielländer war die Tschechoslowakei. Das Land war die letzte Demokratie in Ostmitteleuropa und im Land gab es eine deutsche Minderheit von ca. 3,5 Millionen Menschen. Flüchtlinge aus den Reihen der SPD konnten auf die Unterstützung der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei hoffen. Diese organisierte sofort ein großes Hilfswerk, von dem der folgende Originaltext aus der Zeitung Sozialdemokrat vom 21. April 1933 zeugt.

 

Bezirksverein Arbeiterfürsorge. Prag

Kuratorium für sozialistische Flüchtlingsfürsorge

Helft den Opfern des Faschismus!

Genossinnen und Genossen!

Zehntausende Vertrauensmänner der Arbeiterbewegung und Kämpfer für Freiheit und Sozialismus hat der Faschismus in Deutschland in Konzentrationslager gesteckt, um Brot und Existenz gebracht, Tausende bestialisch gemartert und viele zu Tode gequält. Eine große Anzahl reichsdeutscher Genossinnen und Genossen sind, um grausamsten Qualen und dem sicheren Tode zu entgehen, ins Ausland geflüchtet. Viele von ihnen kamen in die Tschechoslowakei und nach Prag. Hier sehen sie sich nun, aller Mittel entblößt, ohne Wohnung und oft ohne Kleider und Wäsche, der bittersten Not ausgeliefert.

Wir müssen diesen Opfern des Faschismus helfen! Wir müssen zeigen, dass uns die

Solidarität kein leeres Wort ist, sondern selbstverständlich gern erfüllte Pflicht!

Der Bezirksverein Arbeiterfürsorge hat die Aufgabe übernommen, die Hilfe für die reichsdeutschen Genossen, die nach Prag kommen, zu organisieren und mit der Durchführung der Hilfsaktion das unterzeichnete Kuratorium betraut.

Wir benötigen dazu:

  1. Geld. Spenden sind auf das Konto Nr. 95.839 einzuzahlen oder bei der Kassa des Bezirksvereines „Arbeiterfürsorge“ zu erlegen.
  2. Quartiere: Wer ist bereit, ein Freiquartier zu geben! (Bitte angeben, für welche Zeit) b) Wer kann gegen Ersatz der Selbstkosten oder geringen Zins ein Zimmer abtreten? (Bitte angeben, für welche Zeit und zu welchen Bedingungen)
  3. Freitische. (Bitte angeben, für welche Zeit)
  4. Kleider und Wäsche

Die erbetenen Angaben und Sendungen sind an den Bezirksverein Arbeiterfürsorge, Prag II, Nekazanka 18, zu richten.

Genossen und Genossinnen, wir sind überzeugt, nicht vergeblich an Euer Solidaritätsgefühl appelliert zu haben und danken Euch im voraus.

Freundschaft!

Das Kuratorium für Flüchtlingsfürsorge, Prag

Richard Schönfelder, Marie Deutsch, Ernst Paul, Hilde Franzel

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