
Die sudetendeutschen Sozialdemokraten stellten sich bis 1938 auf die Seite der Tschechoslowakischen Republik. Als diese letzte Demokratie in Ostmitteleuropa durch die Nationalsozialisten in eben diesem Jahr 1938 zerschlagen wurde, blieb ihnen nur die Flucht. Viele wurden verhaftet, für Jahre eingekerkert und viele wurden auch ermordet. Den Mut, den diese Menschen aufbrachten im Angesicht der unmittelbaren Bedrohung durch das Terrorregime der Nationalsozialisten, unterstreicht dieser Aufruf des Parteivorsitzenden Wenzel Jaksch und des Generalsekretärs Siegfried Taub. Beide sollten der Verfolgung durch Emigration um Haaresbreite entgehen.
Nordböhmischer Volksbote
16.9.1938
An die Funktionäre und Mitglieder der Partei!
An die Untergliederungen der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei ist folgende zentrale Parteiweisung ergangen:
Alle Angestellten und Funktionäre der Partei haben so wie bisher auf ihren Posten zu bleiben. Wer ohne bestimmten Auftrag seinen Platz verlässt, entkleidet sich damit selbst seiner Funktion. Wenn es außerordentliche Situationen unmöglich machen, neue Weisungen der Parteizentrale einzuholen, sind die Bezirksleitungen der Partei ermächtigt, im Einvernehmen mit den Organen des staatlichen Sicherheitsdienstes die notwendigen Schlüsse zu fassen.
In diesen Tagen ist es die Hauptaufgabe aller Parteifunktionäre, jeder unbegründeten Panik kaltblütig entgegenzuwirken.
Als Richtschnur für das Verhalten der einzelnen Parteiangehörigen gelte, dass die Erfüllung unserer historischen Aufgabe den Einsatz eines Höchstmaßes von Gesinnungstreue und Kampfentschlossenheit erfordert.
Prag, 15. September 1938.
Jaksch Taub