
Erinnerung an das Heidelberger Programm der SPD aus dem Jahr 1925
Im Rahmen der jüngsten Präsidiumssitzung der Seliger-Gemeinde befasste sich das Gremium auch mit dem Heidelberger Programm der SPD aus dem Jahr 1925.
Vorsitzende Christa Naaß: „Wir erinnern uns im Jahr 2025 im Rahmen vieler Veranstaltungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges, an die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus, aber auch an Flucht und Vertreibung von Millionen von Menschen in den Jahren 1945 und 1946. Diese Erinnerungen verpflichten uns deshalb auch, und zwar zu dreierlei:
- zu einer Erinnerungskultur, die dem Frieden dient,
- zum Kampf für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
- sowie zu einem verstärkten Einsatz für ein gemeinsames Europa“.
„Bereits vor 100 Jahren“, so Christa Naaß „befasste sich die SPD im Heidelberger Programm mit der Idee eines vereinigten und befriedeten Europas und fordert, was bis heute noch nicht erreicht ist, die Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“.
Die Vorsitzende der Seliger-Gemeinde erinnert an die Zeit vor 100 Jahren: Der erste Weltkrieg lag erst sieben Jahre zurück. Es begann die Zeit, die man heute als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet. Als jedoch im Februar 1925 der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert stirbt, erhalten die nationalistischen Kräfte Auftrieb. Generalmarschall Paul von Hindenburg wird zu Eberts Nachfolger gewählt. Adolf Hitler kommt frühzeitig aus der Festungshaft und gründet die NSDAP neu.
„In dieser Zeit setzt die SPD mit ihrem Heidelberger Programm ein klares Zeichen gegen Nationalismus und Revanchismus und für Demokratie und Freiheit. Sie tritt mit aller Kraft jeder Verschärfung der Gegensätze zwischen den Völkern und jeder Gefährdung des Friedens entgegen“, erläutert Christa Naaß und ergänzt: „Die Geschichte hat es gezeigt: Immer, wenn Nationalismus überhandnimmt, wenn Minderheitenrechte missachtet, Menschen ausgegrenzt werden, kommt es irgendwann, zu Verfolgung, Missachtung von Menschenrechten, und im schlimmsten Fall zu Krieg“.
„Derzeit erleben wir, wie die Welt derzeit aus den Fugen gerät - zwischen Europa und Amerika, zwischen Demokratie und Autokratie, zwischen einander bekämpfenden Nationalismen und Kulturen. Die demokratische Einigung Europas ist heute mehr als gefährdet. Neue nationalistische und extremistische Kräfte versuchen derzeit die Europäische Union zu sprengen und die liberale Demokratie auszuhöhlen.
Wir brauchen also 100 Jahre nach dem Heidelberger Programm mehr Europa und nicht weniger. Wir brauchen ein starkes Parlament, die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips im Rat und die Verwirklichung einer gemeinschaftlichen und humanen Migrationspolitik und einer gemeinsamen Außen- und Verteidigungspolitik im Rahmen der EU“, appelliert Christa Naaß.