„Das Dokument des guten Willens“
Die „Erklärung der im KZ Dachau inhaftierten Deutschen aus der Tschechoslowakei“ vom 8. Mai 1945 - und wie alles ganz anders kam
Bereits am 29. April 1945 wurde das Konzentrationslager Dachau befreit. Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Mit der „Erklärung der im KZ Dachau inhaftierten Deutschen aus der Tschechoslowakei“, einem „Dokument des guten Willens“ haben die sudetendeutschen Sozialdemokraten, vertreten durch Anton Langer, Georg Hans Trapp, Alois Ullmann und Roman Wirkner manifestiert, dass die Überlebenden nach dem Krieg mit der Hoffnung auf den gemeinsamen Wiederaufbau eines demokratischen tschechoslowakischen Staates aus dem Exil, dem Untergrund oder den Lagern zurückkehren.
Sie sahen im Augenblick der Niederlage eine "Stunde Null": sowohl ein Ende als auch einen Anfang.
Doch außerhalb Deutschlands war der Tag der deutschen Niederlage ein Moment des Sieges. In weiten Teilen Europas wurde das Kriegsende zudem als ein echter Bruch mit der Vergangenheit wahrgenommen, der dem Kontinent in vielerlei Hinsicht – international, politisch, sozial und kulturell – einen Neuanfang ermöglichen würde. In der Tschechoslowakei schlug nach Kriegsende das Pendel wieder in die Gegenrichtung aus, es folgten Gewaltakte gegen Sudetendeutsche und "wilde Vertreibungen".
Im „Dokument des guten Willens“ findet sich so auch die Ungewissheit ob des eigenen Schicksals bzw. ob des Schicksals des eigenen Volkes. Und diese Skepsis war berechtigt.
Übernahmen in einigen Gebieten der Tschechoslowakei, vor allem in Nordböhmen, , tschechische und deutsche Widerstandskämpfer bei Kriegsende gemeinsam die Macht aus den Händen der Deutschen, wobei den Kern hauptsächlich deutsche Sozialdemokraten bildeten, so mussten die deutschen Antifaschisten aber bereits nach einigen Tagen ihre Tätigkeit in den örtlichen Verwaltungen im ganzen Land auf Anordnung des tschechoslowakischen Staates aufgeben. Sie waren plötzlich einfach nur noch Deutsche. Viele wurden von den gegen die deutsche Bevölkerung gerichteten Repression erfasst.
Die Situation der Antifaschisten war von Ort zu Ort aber sehr unterschiedlich. Vor allem die Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei wurde von tschechischer Seite als Bestrafung für die Mithilfe bei der Zerschlagung des Staates und für die nationalsozialistischen Verbrechen betrachtet. Deutsche, die für den Erhalt des tschechoslowakischen Staates eingetreten waren und gegen Hitler gekämpft hatten, durften hingegen im Land bleiben. Aber auch die Legitimationen, die anerkannten Antifaschisten ausgestellt wurden, garantierten nicht unbedingt einen Schutz vor der Beschlagnahmung des Besitzes oder anderen Schikanen.
So kam Anton Langer im Mai 1945 in die ČSR zurück und wurde einer der leitenden Betreuer seiner Gesinnungsfreunde in der Zeit der Austreibung. Langer arbeitete in der Antifa-Zentrale in Prag, da er Deutsch und Tschechisch sprach. Im September 1946 verließ er die ČSR mit einem Antifa-Transport, kam über München nach Esslingen.
1945 kehrte Georg Hans Trapp kurz nach der Befreiung in die Tschechoslowakei zurück und musste die Tragödie der Vertreibung der Sudetendeutschen erleben. Bald zeigte sich, dass Trapp im Zustand des Geduldetseins in der Heimat als Künstler nicht schaffen konnte. So zog er bald nach Schweden.
Alois Ullmann kehrte nach Kriegsende in seine Heimat zurück. Er leitete dann in der Folge die organisierte Aussiedlung sudetendeutscher Antifaschisten. Diese Transporte wurden als „Aktion Ullmann“ bezeichnet.
Als Roman Wirkner nach dem Zusammenbruch in seine Heimatstadt Tetschen zurückkehrte, befand er sich unter den ersten, die die zerschlagenen Organisationen wiederaufrichten wollten. Dies scheiterte allerdings an einem neuen totalitären Regime. Zusammen mit Alois Ullmann, den er in Dachau kennengelernt hatte, organisierte er die „Aktion Ullmann“ als „Auslandsbeauftragter“.